Situationsbewusstsein: Die Rolle der Luftaufklärung in Kriegszeiten

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Luftaufklärung ist ein wichtiger Bestandteil der Kriegsführung. Auf diese Weise kann das Militär Informationen auskundschaften und übermitteln, den Feind vernichten und das Leben des Militärpersonals und der Zivilbevölkerung retten. Zu Beginn des russisch-ukrainischen Krieges 2014 befand sich die ukrainische Luftaufklärung in der Entwicklungsphase. Jetzt ist sie eine bedeutsame Hilfe für unsere Streitkräfte, weil Drohnen als deren zusätzliche Augen dienen.

Derzeit ist die Entwicklung dieses militärischen Bereichs dank staatlicher Investitionen, Mäzene, Freiwilligen und Stiftungen möglich. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ausbildung der Drohnenpiloten, die derzeit hauptsächlich von Freiwilligenorganisationen, wie z. B. das Unterstützungszentrum für Luftaufklärung („Air Intelligence Support Center“) durchgeführt wird.

Die Luftaufklärung in der Ukraine begann mit dem Militäreinsatz kleiner Schaumflugzeuge. Dies waren spezielle Trainingsmodelle. Anfang 2014 gab es an der ukrainischen Ostfront nur sehr wenige unbemannte Luftfahrzeuge (eng.: UAV – unmanned aerial vehicle). Zum einen fehlten staatliche Mittel, zum anderen gab es einen Mangel an professionellen militärischen Drohnenpiloten. Im Oktober 2014 fand auf Initiative von Freiwilligen der erste Luftaufklärungskurs für Drohnenpiloten statt, und im Januar 2015 wurde bereits das „Air Intelligence Support Center“ gegründet. Seitdem werden regelmäßig UAV-Piloten ausgebildet.

Luftaufklärung in der Ukraine

Das Hauptziel des Air Intelligence Support Centers liegt darin, der ukrainischen Armee ausgebildete und ausgerüstete Drohnenpiloten zur Verfügung zu stellen, die schnell aktuelle Informationen über feindliche Aktionen liefern können. So kann das Leben nicht nur von ukrainischen Soldaten, sondern auch von Zivilisten, die ständig dem Terror der russischen Armee ausgesetzt sind, gerettet werden. Freiwillige der Wohltätigkeitsorganisation „Razom for Ukraine“ (dt.: „Zusammen für die Ukraine“) helfen beim Kauf, der Logistik und der Lieferung von Ausrüstung.

Maria Berlinska, eine ukrainische Militärangehörige, Gründerin der Freiwilligenorganisation „Air Intelligence Support Center“ erklärte, warum Luftaufklärung ein äußerst wichtiger Teil der Kriegsführung ist:

— Luftaufklärung kann bis zu 90 % der nachrichtendienstlichen Informationen liefern. Es trägt somit wesentlich zum Situationsbewusstsein bei und ermöglicht eine schnelle Entscheidungsfindung. Die Schnelligkeit während des Krieges steht in direktem Zusammenhang mit der Anzahl geretteter Menschenleben. Im Englischen gibt es den Ausdruck ‚helicopter view‘ (sog. Helikoptersicht) – die Möglichkeit hoch zu steigen, die Lage einschätzen und schnell eine Entscheidung treffen. Das macht die Luftaufklärung.“

Maria ist bei der Luftaufklärung bereits seit Beginn des Krieges 2014. Sie ging an die Front und war bereit, beliebige Aufgaben zu erfüllen:

„Wäre es nötig, Wunden zu verbinden, bzw. als Sanitäterin zu agieren, würde ich es tun. Ob ich Kartoffeln für den Borschtsch (ukrainische traditionelle Rote-Beete-Suppe) schäle oder einen Schützenpanzer fahre, war mir egal. Damals wurden Luftaufklärungsspezialisten benötigt, denn dieser Bereich befand sich erst in der Anfangsphase. Das war ein glücklicher Zufall, denn Krieg gab mir sozusagen den Himmel. Ich bin in der Luftaufklärung tätig, weil ich daran glaube und ihre Effizienz gut kenne.

Während der Ausbildung im Air Intelligence Support Center absolvieren die Teilnehmenden einen theoretischen und praktischen Kurs. Sie lernen, diverse Drohnen zu fliegen – Multikopter (ein Luftfahrzeug mit mehreren in einer Ebene angeordneten Propellern, die sich diagonal in entgegengesetzte Richtungen drehen) und Segelflugzeuge (ein Luftfahrzeug, das einem gewöhnlichen Flugzeug ähnelt). Darüber hinaus üben die Teilnehmer die Grundlagen der UAV-Steuerung an Simulatoren und in realen Flügen.“

Mit der Unterstützung und in ständiger Partnerschaft mit der Kyjiw-Mohyla-Akademie wird Training, Verpflegung und Unterkunft in Kyjiw für Militärangehörige kostenlos angeboten. Das Team des Zentrums besteht aus mehr als 10 Lehrern, Ausbildern und Koordinatoren. Projektpartner sind die Freiwilligenorganisationen „Armija SOS“ (dt.: „Armee SOS“), „Aeroroswidka“ (dt.: „Luftaufklärung“), „Narodnyj Tyl“ (dt.: „Volkshintergrund“) und andere.

Drohnen sind für die Luftaufklärung Verbrauchsgüter. Mit dem Beginn des großflächigen Krieges helfen die ukrainische Regierung, diverse Unternehmen, Wohltätigkeitsorganisationen und Freiwillige, die Armee mit Drohnen zu versorgen. So starteten das Ministerium für digitale Transformation der Ukraine, der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte und der staatliche Dienst für Kommunikations- und Informationsschutz im Juli 2022 das Projekt „Armee der Drohnen“. Bis Ende August 2022 wurden dadurch 472 diverse Flugobjekte gekauft.

Einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Luftaufklärung in der Ukraine leistet auch das Team der NGO „Aeroroswidka“ (Luftaufklärung). Die 2014 gegründete Organisation fördert die Herstellung  und Implementierung robotischer Militärkapazitäten für die Sicherheits- und Verteidigungskräfte der Ukraine.

Die Wohltätigkeitsstiftung „Come Back Alive“ hilft auch der Luftaufklärung – nur im August kaufte sie 100 Multikopter im Wert von über 14 Mio. UAH (ca. 360.000 Euro). In den vergangenen sechs Monaten kaufte die Stiftung mehr als 3.000 Drohnen für die ukrainischen Streitkräfte.

Darüber hinaus wird die Luftaufklärung von anderen Fonds und Projekten unterstützt, die Geld für Drohnen (Serhij Prytulas Wohltätigkeitsstiftung, Andrij Khlywniuks Wohltätigkeitsstiftung) oder Anti-Drohnen-Gewehre (Wohltätigkeitsstiftung „Antytila“) sammeln.

Das regelmäßige Spenden für Drohnen seitens Freiwilliger und Verwandten von Militärangehörigen ist für Ukrainer bereits zur Normalität geworden. In den sozialen Netzwerken kursieren dazu dutzende Videos: So berichten Spendensammler von einer erfolgreichen Sammlung und das Militär seinerseits zeigt Videoaufnahmen liquidierter Feinde. Die regelmäßige und zuverlässige Unterstützung der Bevölkerung rettet das Leben und bringt den Sieg der Ukraine näher.

Jedes UAV ist eine Drohne, aber nicht jede Drohne ist ein UAV

Der Hauptbestandteil der Luftaufklärung sind die Drohnen. Die Drohne ist ein mobiles unbemanntes Fluggerät, das vorprogrammiert ist, eine bestimmte Aufgabe in der Luft, am Land oder unter Wasser auszuführen. In den Medien werden sie manchmal mit UAV (dt.: unbemanntes Luftfahrzeug, engl.: unmanned aerial vehicle) verwechselt. Die Drohne ist ein umfassenderer Begriff, wobei das UAV ist nur ein Drohnentyp. Ein UAV kann also als Drohne bezeichnet werden, aber nicht jede Drohne ist ein UAV. UAVs können nach einem flugzeugähnlichen oder einem helikopterähnlichen (Multikopter) Prinzip funktionieren.

Es gibt Drohnen sowohl für den zivilen als auch für den militärischen Einsatz. Das ukrainische Militär setzt beide Arten von Drohnen ein, weil im Grunde jede Drohne Kampfeinsätze durchführen kann. Dies funktioniert folgenderweise:  Der Drohnenpilot erhält mit Hilfe spezieller Kameras und einem Datenübertragungskanal schnell die nötigen Informationen vom Gerät. Die Piloten müssen nicht persönlich in der Gefahrenzone anwesend sein, d.h. sie können die Drohne fernsteuern, ohne sich einer Gefahr auszusetzen. Wichtig ist, dass die meisten Drohnen in der Lage sind, bei Regen, Bewölkung, Nebel und in der Dunkelheit zu fliegen und Daten zu sammeln.

In der heutigen Welt können Drohnen fast alles tun, sogar Kaffee liefern. Obwohl es der zivilen Bevölkerung seit Beginn des Kriegsrechts in der Ukraine verboten ist, Drohnen zu fliegen, kann deren korrekte Verwendung Tausende von Menschenleben retten. Maria Berlinska erzählt:

Verbot von Drohnenstarts
Vor dem großangelegten Krieg war die Verordnung des Ministerkabinetts vom 6. Dezember 2017 „Über die Nutzung des Luftraums der Ukraine“ in Kraft. Ab 24. Februar 2022 wurde die Liste der Beschränkungen erweitert.

„Wenn man die unter Beschuss stehenden Krankenhäuser evakuieren muss, kann eine Drohne verwendet werden. Somit sieht man die Richtung der sicheren Evakuierung. Wenn die Russen Ölraffinerien zerstören, können die Folgen der Tragödie abgeschätzt werden. Wenn Wohngebäude beschossen werden, sieht man das Ausmaß der Brände. Auch bei der Überwachung von Funkmasten sind Drohnen hilfreich.“

Derzeit dürfen in der Ukraine nur  Angehörige der Streitkräfte und spezieller Behörden Drohnen starten, während die Zivilisten eine Sondergenehmigung benötigen. So müssen sich z. B. Landwirte an die militärische Regionalverwaltung ihrer Region wenden.

„Vögel“ an und hinter der Frontlinie

UAVs, auch als „Vögel“ genannt, helfen bei Aufklärungsaufgaben. Sie werden verwendet, um Land- und Seeziele zu treffen,  Flugobjekte abzufangen, Funkstörungen zu erzeugen sowie bei der Feuerkontrolle. Für solche Fluggeräte ist es kein Problem, Fracht mit einem Gewicht von bis zu 60 Kilo zu transportieren, Daten zu übertragen usw.

Drohnen werden zu einem unverzichtbaren Werkzeug für die Luftaufklärung, bestätigt aus eigener Erfahrung Ihor Lutsenko. 2014 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst, wo er mit Drohnen zu tun hatte. Seitdem beschäftigte er sich mit der Luftbildfotografie und ab dem 24. Februar 2022 hilft ihm die Drohne wieder an der Front:

„Erstens sind Drohnen die ‚Augen‘ des Krieges, die helfen, den Feind zu erkennen. Man muss sehen, was auf der feindlichen Seite passiert, um zu wissen, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Zweitens sind sie auch zum Angriff da, und drittens helfen sie bei humanitären Aufgaben.“

Nach Beginn der großflächigen Invasion fuhren Militärangehörige und Freiwillige nach Tschernihiw (im Norden von Kyjiw, nahe der belarussischen Grenze – Anm.), um schwere Patienten aus dem dortigen Krankenhaus zu evakuieren. Einer der Teilnehmenden, Walerij Borowyk, selber Luftaufklärer und  Geschäftsführer des Drohnenherstellers Yatagan, startete eine Drohne, um zu erfahren, ob sich russische Sabotagetrupps oder russische Militärangehörige in der Nähe des humanitären Korridors befinden:

„Bei der Planung einer humanitären Mission ist es wichtig, über die gegnerische Position gut informiert zu sein. Weil wir sehen, dass Russland seiner Verpflichtung zur Schaffung eines sicheren humanitären Korridors für die Zivilbevölkerung nicht nachkommt, muss alles persönlich überprüft werden.“

Drohnen helfen auch unmittelbar an der Front. Sie sind für die Aufklärung während der Kampfhandlungen notwendig. Sie werden auch verwendet, um das Ausmaß der Explosionen feindlicher Raketen, die Art der Zerstörung von Gebäuden usw. festzustellen. Orthofotos helfen, Beweise für Verbrechen des russischen Militärs zu dokumentieren und diese an das internationale Gericht zu übermitteln. Darüber hinaus können die Soldaten mit Hilfe von Drohnen den sog. Eigenbeschuss (Feuer seitens der eigenen anstatt der feindlichen Truppen) vermeiden.

Orthofoto
Luftbildaufnahme des Geländes ohne geometrische Verzerrungen.

Die Luftaufklärerin Anastasija Konfederat beschäftigt sich derzeit mit Orthofotografie und lernte schon Ende 2014, Multicopter zu bedienen. Ein Jahr später ging Anastasija als Militärangehörige  in das Kriegsgebiet im Osten der Ukraine. Seit 2022 teilt sie zusammen mit anderen erfahrenen UAV-Piloten ihre Kenntnisse im Umgang mit neuen Drohnentypen sowie veranstaltet für das ukrainische Militär Trainingsflüge unter realitätsnahen Bedingungen. Dort können Anfänger die Taktik der Aufklärung und des Unterstützungsfeuers üben.

„Es gibt ganz unterschiedliche Situationen, z. B. Waffenstillstand oder Schichtwechsel. Je mehr Leute gut mit Drohnen umgehen können, desto mehr Leben werden gerettet. Jede Drohne hat ihre maximale Flugzeit und muss danach aufgeladen werden. Je mehr ​​Vögel wir haben, desto länger ist die allgemeine Flugzeit.“

Anastasija ruft alle auf, die den ukrainischen Kämpfern helfen wollen, eigenständig Drohnen zu kaufen oder an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden, wie z. B. „Come Back Alive“ oder „Razom for Ukraine“:

„Wir brauchen die Waffe, die den Himmel überwacht, feindliche Ausrüstung erkennt, sie blockiert und aus einer sicheren Entfernung zerstört.“

Drohnen zur Rettung und fürs Überleben

Zu Beginn des russisch-ukrainischen Krieges im 2014 waren Drohnen nur sehr selten im Kriegsgebiet zu sehen. Derzeit hat die Ukraine folgende in- und ausländische unbemannte Luftfahrzeuge im Einsatz:

Bayraktar ТВ2 ist die bekannteste türkische Drohne in der Ukraine.
Maximale Flugdauer: mehr als 24 Stunden.
Höchstgeschwindigkeit: bis zu 220 km/h.
Maximale Flugreichweite: 4.000 km.
Kosten: Gesamt (Steuer- und Rüstungsstation) – 30–70 Mio. USD; nur Drohne — 1–2,5 Mio. USD.

Switchblade ist eine amerikanische Kamikaze-Drohne, ein Drohnen-Hybrid mit Bomben, der aus einer Entfernung von bis zu 40 km gesteuert werden kann.
Maximale Flugdauer: bis zu 40 Minuten.
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h.
Maximale Flugreichweite: 10 km.
Kosten: 6.000 USD.

Phoenix Ghost ist eine Drohne, die die Amerikaner speziell auf Anfrage des ukrainischen Militärs entwickelten. Kann vertikal abheben und ist mit einer Infrarotkamera ausgestattet.
Maximale Flugdauer: ca. 6 Stunden.
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h.
Maximale Flugreichweite: 50 km.
Kosten: 6,5 Mio. USD.

R18 ist ein in der Ukraine hergestellter Oktokopter, d.h. eine Drohne mit 8 Motoren, die ermöglichen, dass die Drohne sich schnell durch die Luft bewegen und schwere Munition transportieren kann. Dieses Design hilft einer Streikdrohne, vertikal zu starten und zu landen sowie über dem Feind regungslos zu schweben.
Maximale Flugdauer: 40 min.
Höchstgeschwindigkeit: 43 km/h.
Maximale Flugreichweite: 4 km.
Kosten: 20.000 USD.

„Leleka-100“ (Storch-100), „Furija“ (Furie) und „Walkirija“ (Walküre) sind ukrainische Drohnen, mit einer Flugdauer bis zu 3 Stunden.
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h.
Maximale Flugreichweite: 30 km.
Kosten: 15.000 USD.

PD-2 ist eine ukrainische Drohne, die nach ihren Eigenschaften viele zivile Modelle deutlich übertrifft.
Maximale Flugdauer: ca. 10 Stunden.
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h.
Maximale Flugreichweite: bis zu 1000 km.
Kosten: ca. 1 Mio. USD pro Einheit (zwei Fluggeräte und ein mit Wärmebildkameras ausgestattetes Fahrzeug).

DJI und Autel sind kommerzielle chinesische UAVs. Das ukrainische Militär verwendet am häufigsten die Modelle Mavic, Maverick, Matrice und Inspire.
Maximale Flugdauer: ca. 30 Minuten.
Höchstgeschwindigkeit: 72 km/h.
Kosten: 1.500–5.500 USD.

Heutzutage ist Drohnenwissen ebenso wichtig wie die Suche im Internet nach Informationen, das Fahren eines Autos oder das Anlegen einer Aderpresse. In der Ukraine findet ein technologischer Krieg statt, d.h. es wird nicht nur mit konventionellen Waffen und Panzern gekämpft, sondern auch mit den neuesten Militärtechnologien, unter anderem mithilfe von unbemannten Luftfahrzeugen.

Maria Berlinska glaubt, zukünftige Kriege werden robotisiert sein und die Erfahrungen aus dem russisch-ukrainischen Krieg berücksichtigen. Sie betont, dass die meisten Menschen während des Krieges in der Lage sein sollten, eine Drohne zu fliegen, um Informationen über potenzielle Gefahren zu ermitteln und dementsprechend zu handeln. Luftaufklärung ist jetzt sehr wichtig für die Ukraine, sagt Maria:

„Für den Kampf brauchen wir unsere Vernunft, Intelligenz und die Technologien. Dies ist der einzige Weg zum Sieg, ohne einen allzu hohen Preis dafür  zahlen zu müssen. Die vorübergehend besetzten Territorien werden befreit, Unternehmen und Häuser wiederaufgebaut, und die Menschen kommen vom Krieg zurück, aber nur, wenn sie verletzt sind. Alles kann wiederhergestellt  werden, das einzige nicht Erneuerbare ist das menschliche Leben.“

Man kann das ukrainische Militär unterstützen, indem man Geld für den Kauf von Drohnen spendet oder sie selbst kauft. Dies sei die beste Investition in das menschliche Leben, sagt Maria:

„Ich verstehe, warum man für Medizin oder Schutzwesten spenden möchte. Das erste rettet das Leben, das zweite schützt das Herz. Aber man vergisst, dass man dabei mit Konsequenzen zu tun hat, denn der Schuss ist ja schon gefallen. Stattdessen befasst sich die Luftaufklärung mit der Ursache.“

Basisausrüstung für die Luftaufklärung

Für die Luftaufklärung braucht man nicht nur eine Drohne, sondern ein ganzes Set, sagt Maria Berlinska:

„Wenn ich über die Hardware spreche, meine ich damit Drohnen, Starlinks, Tablets und Powerbanks. Dies ist eine Basisausrüstung für die Luftaufklärung. Zum Software gehören solche Programme wie Terminal, Delta, MilChat, UKROP und andere. Und die dritte – nicht weniger wichtige – Komponente ist die Ausbildung.“

Starlink
Globales Satellitensystem für den Internetzugang in schwer zugänglichen Gebieten.

Genau aus diesem Grund entwickelten „Razom for Ukraine“ und „Air Intelligence Support Center“ zusammen mit den Luftaufklärern, Ingenieuren und Freiwilligen, unterstützt von PROTECT (ein von Kanada finanziertes Programm, das Sicherheit- und Verteidigungsorgane der Ukraine unterstützt) ein Projekt zur Ausbildung von Militärdrohnenpiloten. Die Kurse können online auf der Prometheus-Plattform absolviert werden. Videovorträge, Aufgaben und das Forum sind jederzeit verfügbar, aber nur ein Militärangehörige kann den Link zum Kurs erhalten.

In einem der Kurse – „Anwendung von Drohnentechniken unter Kriegsbedingungen“ – kann man kostenlos die Grundlagen der sicheren Steuerung von Drohnen, die Regeln der Nutzung von Funkkommunikationssystemen und das gängige digitale Software erlernen. Das Thema „Militärische Anwendung von Drohnen“ ist den Prinzipien der netzwerkzentrierten Kriegsführung gewidmet. Darin wird jeder Soldat als eine intelligente Kampfeinheit betrachtet, die in der Lage ist, Daten zu sammeln, zu analysieren und schnell auf neue Umstände zu reagieren. So kann ein Informationsvorteil gegenüber dem Feind entstehen und die feindlichen Ziele schneller beseitigt werden.

Maria Berlinska glaubt, dass theoretische Kurse auf Online-Plattformen die einzige Möglichkeit sind, Drohnensteuerung so vielen Menschen wie möglich beizubringen. Dieses Projekt wurde ins Leben gerufen, um Grundkenntnisse über die Drohnensteuerung zu vermitteln sowie das Verletzungs- und Schadensrisiko bei deren Einsatz zu verringern.

Drohnen sind eine teure Kriegswaffe, der Preis für einen Fehler des UAV-Piloten ist ziemlich hoch. Die Kosten pro Einheit mit allen Zubehörteilen variieren zwischen 1,5 Tausend und 70 Mio. US-Dollar. Daher sollten Drohnen nur vom ausgebildeten und erfahrenen Personal bedient werden.

Das Wichtigste, was die Ukrainer jetzt für den Sieg brauchen, ist Ausrüstung. Und der Rest, glaubt Maria Berlinska, ist schon da: Glaube, Wille und grenzenloses Heldentum.

„Ich weiß, dass unsere Seelen Licht ausstrahlen. Ukrainer zu sein, ist unsere eigene Wahl. Die Ukrainer mitsamt der ganzen freien Welt werden gewinnen.“

Beitragende

Projektgründer:

Bogdan Logwynenko

Autor des Textes:

Wladyslawa Krizka

Chefredakteur:

Anja Jablutschna

Redakteurin:

Kateryna Lehka

Drehbuchautor:

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Dmytro Sanin

Bildredakteur:

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Transkriptionist:

Roman Azschnjuk

Transkriptionist:

Anastasija Wolynsjka

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Content-Managerin:

Kateryna Jusefyk

Übersetzerin:

Oleksiy Obolenskyy

Maria Pochynok

Übersetzungsredakteurin:

Daryna Arjamnowa

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